Schweißerhandschuhe kaufen: Ratgeber & Normen
Beim Schweißen sind die Hände extremen Belastungen ausgesetzt: glühende Funken, Schweißperlen, enorme Kontaktwärme, UV-Strahlung und scharfkantige Metallkanten. Hochwertige Schweißerhandschuhe sind daher unverzichtbare Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für jeden Schweißer im Handwerk, in der Industrie oder im Heimwerkerbereich.
Doch welcher Handschuh ist der richtige für welches Verfahren? Und worauf muss man bei Normen wie EN 12477, EN 388 und EN 407 achten? In diesem Kaufratgeber erfährst du alles Wichtige für die optimale Auswahl.
Warum normale Arbeitshandschuhe beim Schweißen nicht ausreichen
Klassische Montage- oder Lederhandschuhe bieten Schutz vor Schmutz und leichten mechanischen Risiken, versagen jedoch bei Hitzeeinwirkung und Metallspritzern. Spezielle Schweißerhandschuhe zeichnen sich durch drei wesentliche Merkmale aus:
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Feuerfeste Materialien: Hochwertiges Spalt- oder Narbenleder, das bei Funkenflug nicht brennt oder schmilzt.
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Hitzebeständige Kevlar®-Nähte: Vernäht mit feuerfestem Garn, damit Nähte bei Kontakt mit Schweißperlen nicht aufplatzen.
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Lange Schutzstulpen: Verlängerte Manschetten schützen Handgelenk und Unterarm zuverlässig vor Hitze und herabfallenden Schlackeresten.
Wichtige Zertifikate & Normen für Schweißerhandschuhe
In Deutschland und der EU müssen Schweißerschutzhandschuhe strengen Normen entsprechen. Achte beim Kauf stets auf folgende Zertifizierungen:
1. DIN EN 12477 – Die Schweißernorm
Die EN 12477 kombiniert mechanische und thermische Schutzanforderungen speziell für Schweißer. Sie unterscheidet zwei Typen:
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Typ A (Hoher Hitzeschutz): Für Verfahren mit starker Hitze- und Funkenentwicklung wie MIG/MAG und E-Hand (MMA). Bietet maximalen Schutz, ist aber etwas starrer.
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Typ B (Hohe Flexibilität & Feingefühl): Für präzise Arbeiten wie das WIG-Schweißen (TIG). Bietet maximale Fingerbeweglichkeit bei geringerem thermischem Schutz.
2. DIN EN 388 – Mechanische Risiken
Gibt Auskunft über Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Weiterreißkraft und Durchstichkraft beim Umgang mit scharfkantigen Blechen und Werkstücken.
3. DIN EN 407 – Thermische Risiken
Bewertet das Brennverhalten, Kontaktwärme (z. B. bis 100 °C, 250 °C oder 500 °C), Konvektionswärme, Strahlungswärme und den Schutz vor kleinen geschmolzenen Metallspritzern.
Welcher Schweißerhandschuh für welches Schweißverfahren?
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WIG-Schweißen (TIG):
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Empfohlene Norm: EN 12477 Typ B
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Material: Weiches Ziegennarbenleder oder Schafsleder
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Eigenschaften: Dünn, ungefüttert, extrem feinfühlig für die präzise Draht- und Brennerführung.
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MIG / MAG-Schweißen:
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Empfohlene Norm: EN 12477 Typ A
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Material: Robustes Rindspaltleder oder Rindnarbenleder
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Eigenschaften: Hitzebeständig, gefüttert mit Baumwolle/Fleece zum Schutz vor Metallspritzern.
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E-Hand / Elektrodenschweißen (MMA):
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Empfohlene Norm: EN 12477 Typ A
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Material: Schweres Rindspaltleder
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Eigenschaften: Maximaler Schutz gegen Hitze, Schlacke und Strahlungswärme mit langer Stulpe.
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Autogen- & Brennschneiden:
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Empfohlene Norm: EN 12477 Typ A
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Material: Dickes Spaltleder mit hoher Kontaktwärme-Resistenz.
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Einsatzbereiche: Wo werden Schweißerhandschuhe verwendet?
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Metallbau & Schlossereien: Heften, Zuschnitt und Fügen von Stahlkonstruktionen und Profilen.
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Automobil- & Fahrzeugbau: Karosseriebau, Instandsetzung und Abgassysteme.
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Rohrleitungs- & Anlagenbau: Hochpräzises WIG-Schweißen von Edelstahl- und Aluminiumrohren.
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Gießereien & Schmieden: Umgang mit heißen Werkstücken und Formen.
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Werkstätten & Handwerksbetriebe: Allgemeine Metallverarbeitung und Reparaturarbeiten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Schweißerhandschuhen
Welches Leder ist das beste für Schweißerhandschuhe? Das richtet sich nach dem Verfahren. Ziegenleder ist geschmeidig und bietet das beste Tastgefühl für WIG-Schweißen. Rindspaltleder ist dicker, widerstandsfähiger und hitzebeständiger – ideal für MIG/MAG und E-Hand.
Was ist der Unterschied zwischen EN 12477 Typ A und Typ B? Typ A bietet einen höheren Schutz gegen Hitze und mechanische Abnutzung bei geringerer Flexibilität. Typ B bietet maximale Fingerfertigkeit und Feingefühl bei geringerem Hitzeschutz.
Darf man Schweißerhandschuhe in der Waschmaschine waschen? Nein. Wasser und Waschmittel entziehen dem Leder natürliche Fette. Das Leder wird dadurch spröde, rissig und verliert seine Schutzwirkung. Schmutz sollte trocken abgebürstet werden.
Wann müssen Schweißerhandschuhe ausgetauscht werden? Sobald das Leder brüchig wird, Löcher aufweist, Nähte aufplatzen oder das Material durch Hitze verhärtet ist, muss der Handschuh aus Sicherheitsgründen umgehend ersetzt werden.
Wie ermittle ich die richtige Handschuhgröße? Messe den Umfang deiner Handfläche an der breitesten Stelle (ohne Daumen). Typische Größen liegen zwischen Gr. 8 (M) und Gr. 11 (XXL). Schweißerhandschuhe sollten bequem sitzen, aber nicht zu eng sein, damit sie sich im Notfall schnell abstreifen lassen.
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